Dez 14

Ein Schritt vor dem Horizont

Veröffentlicht von Jens Henschel

Mein Papa hat mich heute angerufen. Das tut er oft, aber heute wollte er etwas ganz besonderes besprechen: Seine Intoleranz und Distanz in den Jahren meiner Jugend. Er war damals stets distanziert und extrem streng. Ich schob das aber stets auf die Tatsache dass er nicht mein richtiger Vater ist.

Heute nenne ich ihn “Papa”.

Er rief mich an um sich dafür zu entschuldigen und während ich das hier schreibe verschleiern Tränen meine Augen. Es ist der zugeschnürte Hals und das brennen in der Brust. Ich möchte schreien, ihm helfen und sagen: “Es ist O.K.! Wir sind Freunde!” …

Was ist denn morgen wenn er nicht mehr da ist? Wo ist der Opa, der letzte Opa, für meinen Sohn? Wo ist die Kraft an der Seite meiner Mutter die all ihre Kraft in diesen Mann investiert hat, einen Haken in ihn geschlagen hat um nicht vom Berg des Lebens zu fallen?

Was kann ich tun? Was kann ich leisten? Kann ich ihm helfen? Kann ich meiner Mutter helfen wenn für ihn jede Hilfe zu spät ist? Was tue ich mit meinen Brüdern, deren Frauen und deren Kindern? Wir sind viele!

Ich muss schlafen … ich muss das in mein Leben einbauen.

Ich muss schlafen.

[EDIT]

Als gestandener Mann hat mein Vater zuviel Aufhebens um Nichts getan und es eröffnete sich dass er noch viele, viele Jahre vor sich hat. Der ganze Rotz umsonst und der Tränenvorrat wieder dezimiert. Ich sagte ihm dass ich das vergossene weniger weinen könne wenn er denn wirklich mal in nasser Erde läge … er rut mir einen Beutel Wasser mitzunehmen. Papa ist wieder da, der Humor ist wieder da … somit kann auch ich wieder hier sein.

Hey Dulsberg, hey Bördebehörde … alles anschnallen,  ich belästige wieder!

[/EDIT]

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